Zähringen verändert sich. Und gerade jetzt ist der richtige Zeitpunkt, darüber zu sprechen, wie diese Veränderung aussehen soll.**
Mit den Planungen für Zähringen Nord nimmt eines der größeren Wohnbauprojekte im Freiburger Norden weiter Gestalt an. Östlich der Gundelfinger Straße sollen bis zu **450 neue Wohnungen entstehen. Vorgesehen ist unter anderem eine bis zu fünfgeschossige Bebauung, die den nördlichen Stadteingang künftig deutlich prägen wird.
Dass Freiburg neuen Wohnraum braucht, steht für mich außer Frage. Wer eine Wohnung sucht oder erlebt, wie junge Familien wegen hoher Preise kaum noch etwas Bezahlbares finden, weiß, wie dringend das Problem ist.
Aber Wohnungsbau allein macht noch keinen guten Stadtteil.
Nachverdichtung braucht Lebensqualität !
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Bauen oder nicht bauen?
Sie lautet: Wie bauen wir so, dass Zähringen auch danach ein lebenswerter Stadtteil bleibt?
Dazu gehören Grünflächen und Bäume genauso wie ausreichend Platz für Kinder, gute Fuß- und Radwege, ein leistungsfähiger öffentlicher Nahverkehr und eine Infrastruktur, die mit der Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner wächst.
Die Stadt sieht im südlichen Bereich des neuen Quartiers bereits eine Betreuungseinrichtung vor. Auch Grünflächen, der Erhalt vorhandener Pflanzen und Bäume sowie naturnahe Spielflächen spielen in den Planungen eine Rolle.
Das ist richtig und wichtig.
Entscheidend wird aber sein, was davon am Ende tatsächlich umgesetzt wird.
Zähringen darf nicht nur dichter werden!
Gerade in einem gewachsenen Stadtteil müssen wir darauf achten, dass Nachverdichtung nicht einfach bedeutet, möglichst viele Quadratmeter Wohnfläche auf einer verfügbaren Fläche unterzubringen.
Ein Stadtteil braucht Begegnungsorte. Er braucht Schatten an heißen Sommertagen. Kinder brauchen Flächen, auf denen sie sich bewegen können. Ältere Menschen brauchen kurze Wege. Und wer morgens zur Arbeit oder zur Schule fährt, muss zuverlässig mit Straßenbahn, Bus oder Fahrrad ans Ziel kommen können.
Schon 2026 erleben die Menschen im Freiburger Norden, wie stark Infrastrukturmaßnahmen den Alltag beeinflussen können. Die Arbeiten an der Zähringer Straße mit Gleiserneuerungen und zeitweisem Ersatzverkehr zeigen, wie wichtig eine funktionierende Verkehrsplanung für den gesamten Stadtteil ist.
Wenn mehrere hundert Wohnungen hinzukommen, muss deshalb von Anfang an mitgedacht werden, was das für Verkehr, Kitas, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und öffentliche Räume bedeutet.
Die Menschen in Zähringen müssen mitreden können !
Positiv ist, dass die Stadt bei der Entwicklung Zähringens Beteiligungsformate vorgesehen hat. Im Rahmen der Planungen wurden auch Jugendliche sowie Akteurinnen und Akteure aus dem Stadtteil einbezogen.
Bürgerbeteiligung darf aber keine Veranstaltung sein, bei der fertige Pläne lediglich erklärt werden.
Sie muss dort stattfinden, wo noch echte Entscheidungen möglich sind.
Welche Grünflächen brauchen wir? Wo fehlen sichere Querungen? Welche Wege nutzen Kinder auf dem Weg zur Schule? Wo gibt es heute schon Verkehrsprobleme? Welche Orte sollten erhalten oder aufgewertet werden?
Bei solchen Fragen kennen die Menschen, die täglich in Zähringen unterwegs sind, ihren Stadtteil oft besser als jeder Plan am Schreibtisch.
Wohnraum schaffen und Zähringen bewahren – das geht zusammen
Ich halte es für falsch, Wohnungsbau und Lebensqualität gegeneinander auszuspielen.
Freiburg braucht Wohnungen. Gleichzeitig braucht Freiburg Stadtteile, in denen Menschen gerne leben und nicht nur wohnen.
Für Zähringen bedeutet das: **Ja zu neuem Wohnraum – aber verbunden mit einer verbindlichen Planung für Grün, soziale Infrastruktur und nachhaltige Mobilität.**
Bis Anfang 2027 soll die Planung für Zähringen Nord weiter konkretisiert werden. Genau deshalb ist jetzt die Zeit, genau hinzuschauen und sich einzumischen.
Denn die eigentliche Frage lautet nicht, ob sich Zähringen verändern wird.
Die Frage ist, wie wir diese Veränderung gemeinsam gestalten.

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