Wer im Stühlinger wohnt, kennt das Problem: Der Platz ist knapp. Das gilt für Wohnungen genauso wie für Straßen, Gehwege, Grünflächen – und ganz besonders für Parkplätze.
Nun reagiert die Stadt Freiburg auf den hohen Parkdruck. Seit Anfang August können Bewohnerinnen und Bewohner mit einem Parkausweis für Kleineschholz, Stühlinger, Stühlinger Süd oder Colmarer Straße vorübergehend in allen vier Gebieten parken. Im Oktober 2026 soll dann eine umfassendere Neuordnung folgen.
Das klingt zunächst nach einer technischen Änderung der Parkraumbewirtschaftung.
Tatsächlich steckt dahinter aber eine viel grundsätzlichere politische Frage:
Wie wollen wir den öffentlichen Raum im Stühlinger künftig nutzen?
Die kurzfristige Entlastung ist sinnvoll !
Die Übergangslösung der Stadt ist zunächst pragmatisch.
Bislang waren Bewohnerinnen und Bewohner mit ihrem Parkausweis an ein bestimmtes Gebiet gebunden. Gleichzeitig ist der Parkdruck innerhalb des Stühlingers sehr unterschiedlich. Nun können die vorhandenen Parkmöglichkeiten flexibler genutzt werden.
Im Herbst sollen die Gebiete ohnehin neu zugeschnitten werden. Außerdem soll das Bewohnerparkgebiet Kleineschholz nach Westen erweitert werden. Auch zusätzliche Parkplätze an der Lehener Straße sollen für Bewohnerinnen und Bewohner nutzbar werden.
Das kann die Parkplatzsuche erleichtern.
Aber wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, dass damit das eigentliche Problem gelöst wäre.
Mehr Parkplätze lösen den Platzmangel nicht !
Der Stühlinger gehört zu den Stadtteilen, in denen besonders unterschiedliche Interessen unmittelbar aufeinandertreffen.
Menschen brauchen Parkplätze für ihre Autos. Andere wollen sichere Radwege. Familien brauchen breite Gehwege, auf denen auch ein Kinderwagen Platz hat. Ältere Menschen benötigen sichere Querungsmöglichkeiten. Gleichzeitig wünschen wir uns Bäume, Grünflächen und Aufenthaltsorte.
Und dann soll möglichst auch noch Platz für Lieferverkehr, Handwerker, Carsharing und Fahrräder vorhanden sein.
All diese Wünsche sind nachvollziehbar.
Nur eines können wir nicht: **denselben Quadratmeter Straße mehrfach vergeben.**
Genau deshalb darf die Diskussion über Bewohnerparken nicht bei der Frage enden, wie vorhandene Parkplätze zwischen verschiedenen Parkzonen verteilt werden.
Wir müssen darüber sprechen, welche Funktion unsere Straßen künftig haben sollen.
Der Stühlinger verändert sich!
Diese Diskussion wird noch wichtiger, weil der Stadtteil weiter wächst und sich verändert.
Mit Kleineschholz entsteht unmittelbar am Stühlinger ein neues Quartier. Auch im Metzgergrün wird zusätzlicher Wohnraum geschaffen. Mehr Einwohnerinnen und Einwohner bedeuten aber auch mehr Wege, mehr Fahrräder, mehr Lieferverkehr und einen höheren Bedarf an öffentlichen Flächen.
Deshalb muss Stadtentwicklung mehr sein als Wohnungsbau.
Wer neue Wohnungen schafft, muss gleichzeitig überlegen, wie die Menschen von dort zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen kommen.
Der Stühlinger hat dabei einen großen Vorteil: Straßenbahn, Hauptbahnhof, Radwege und viele Einrichtungen sind schnell erreichbar.
Diese Stärke sollten wir nutzen.
Nicht gegen das Auto – sondern für Wahlfreiheit !
Die Verkehrspolitik wird schnell ideologisch.
Die einen fordern mehr Parkplätze. Die anderen möchten möglichst viele Autos aus dem Stadtteil verdrängen.
Ich halte diese Gegenüberstellung für wenig hilfreich.
Es gibt Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind – etwa wegen ihrer Arbeit, ihres Alters oder ihrer familiären Situation. Für sie muss es auch künftig praktikable Lösungen geben.
Gleichzeitig sollten wir dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen ihr Auto **nicht für jeden Weg benötigen**.
Wenn Straßenbahn und Bus zuverlässig fahren, Radwege sicher sind und Carsharing unkompliziert erreichbar ist, entsteht echte Wahlfreiheit.
Und jedes Auto, auf das ein Haushalt dadurch verzichten kann, reduziert langfristig auch den Parkdruck.
Öffentlicher Raum ist mehr als ein Parkplatz !
Wir sollten deshalb bei jeder größeren Neuordnung des Parkens auch fragen, was der Stadtteil zusätzlich gewinnen kann.
Vielleicht kann an geeigneten Stellen aus einigen Stellplätzen Raum für neue Bäume entstehen.
Vielleicht brauchen wir mehr Fahrradabstellplätze.
Vielleicht gibt es Straßen, in denen breitere Gehwege oder kleine Aufenthaltsflächen die Lebensqualität deutlich verbessern würden.
Und vielleicht gibt es andere Bereiche, in denen Bewohnerparkplätze besonders wichtig sind und erhalten bleiben sollten.
Eine vernünftige Stadtpolitik muss solche Interessen gegeneinander abwägen.
Die Menschen im Stühlinger sollten mitentscheiden !
Gerade bei Veränderungen vor der eigenen Haustür braucht es Transparenz.
Wenn die Bewohnerparkgebiete im Herbst neu zugeschnitten werden, sollte deshalb verständlich erklärt werden, **warum welche Straße künftig zu welchem Gebiet gehört und welche Ziele damit verfolgt werden.
Und die Erfahrungen der Menschen vor Ort sollten ernst genommen werden.
Wo entsteht jeden Abend besonders hoher Parkdruck? Wo fehlen Fahrradständer? Welche Gehwege sind zu eng? Wo könnten zusätzliche Bäume stehen? Wo brauchen Gewerbetreibende oder Pflegedienste kurzfristige Haltemöglichkeiten?
Solche Fragen lassen sich nicht allein am Schreibtisch beantworten.
Der Stühlinger braucht einen fairen Kompromiss !
Die Neuordnung des Bewohnerparkens kann deshalb mehr sein als eine Verwaltungsmaßnahme.
Sie kann der Beginn einer größeren Diskussion darüber sein, wie wir den begrenzten öffentlichen Raum im Stühlinger fair verteilen.
Mein Ziel wäre dabei klar:
Wer auf das Auto angewiesen ist, soll auch künftig eine realistische Möglichkeit zum Parken haben. Gleichzeitig müssen wir attraktive Alternativen schaffen und den öffentlichen Raum Schritt für Schritt lebenswerter machen.
Denn am Ende geht es nicht um einen Kampf zwischen Autofahrern, Radfahrern und Fußgängern.
Es geht um einen Stühlinger, in dem möglichst viele Menschen gut leben können.
Und dafür ist der öffentliche Raum schlicht zu wertvoll, um nicht gemeinsam darüber zu diskutieren, wie wir ihn nutzen wollen.

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